Fahrt mit dem Deutschlandticket von Berlin aus via Dessau ins Chemiedreieck Bitterfeld, Halle-Neustadt, Leuna nach BITTERFELD-WOLFEN (22.04.). Seit 2007 bilden Bitterfeld und Wolfen eine Doppelstadt. Walther RATHENAU (1867−1922) brachte durch die Ansiedlung der Elektrochemischen Werke im Auftrag der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) 1893 die chemische Industrie in die Region. Der Reichsaußenminister Rathenau wurde im Juni 1922 von Rechtsradikalen ermordet. Die Städte Bitterfeld und Wolfen waren im 20. Jahrhundert wichtige Chemiestandorte. Das Bitterfelder Braunkohlerevier bot die Voraussetzung für die Ansiedlung von Branchen mit höchstem Energiebedarf. Zu den herausragenden Unternehmen jener Ära zählten das VEB Chemiekombinat Bitterfeld (hervorgegangen aus IG Farben) und die Filmfabrik Wolfen, die allerdings auch die Ursache für
eine existenzbedrohende Umweltzerstörung der Region waren. Auf dem Gelände dieser beiden Unternehmen fand nach
der Wiedervereinigung eine umfangreiche Sanierung statt.
Ausstieg am Bahnhof in WOLFEN. Berühmt wurde Wolfen durch die chemische Fotoindustrie. Mit AGFA ließ sich Anfang
des 20. Jahrhunderts die größte europäische und weltweit zweitgrößte Filmfabrik dort nieder. Nach 1964 ging der Betrieb in Wolfen
auf den Namen ORWO für ORiginal WOlfen über. Ich stieg in den wartenden Bus 405 und ließ damit die Sehenswürdigkeiten Rathaus, Städtisches Kulturhaus und Industrie- und Filmmuseum rechts liegen − für den nächsten Besuch.


Der Stadtteil BITTERFELD liegt am »Großen Goitzsche-See (sprich: Gottsche)«. Der Tagebaurestsee gehörte zum Bitterfelder Bergbaurevier. Das Gewässer ist seit der kompletten Flutung im Jahr 2011 der zweitgrößte See im Mitteldeutschen Seenland. Bitterfeld ist heute Hafenstadt. Manche sprechen inzwischen mit einem Augenzwinkern von »Bad Bitterfeld«. Durch den Abbau
der Braunkohle wurde in den 1970er-Jahren der Bitterfelder BERNSTEIN entdeckt.
Seit 2015 wird aus dem vollständig renaturierten Goitzschesee wieder Bernstein gefördert. Es ist die weltweit zweitgrößte Bernstein-Lagerstätte und das weltweit größte Abbaugebiet unter Wasser. Es wurden neun verschiedene Bernsteinarten gefunden, darunter der GOITSCHIT, welcher nach dem See benannt wurde. Die Geschichte der synthetischen DIAMANTEN und der Bernsteine ist ansprechend im Kreismuseum Bitterfeld dokumentiert. Dort widmet man sich auch der Geschichte der BALLONFAHRT.
Sehenswürdigkeiten: das historische Rathaus; die neogotische Stadtkirche St. Antonius; der neoklassizistische Kulturpalast; die FÜRSTENHERBERGE − das älteste Haus von 1579. Der BITTERFELDER BOGEN ist das neue Wahrzeichen der Stadt. Im August 2006 wurde das 28 Meter hohe, 14 Meter breite und 81 Meter lange Bauwerk auf dem Bitterfelder Berg eröffnet. Höhe des Fußpunktes: 127 Meter über n.N.; auf einer 540 Meter langen Rampe erreicht man die oberste Aussichtsplattform. Und wird mit einer wunderbaren Fernsicht bis nach Leipzig belohnt. Rückfahrt ab dem Bahnhof Bitterfeld mit dem RE13 und RE7. Fahr‘ mal hin!
















Notabene: Bei der Nachbereitung zu diesem Post musste ich feststellen, dass mir in Bitterfeld Sehenswürdigkeiten entgangen sind: der 26 Meter hohe PEGELTURM und der historische, ehemals niederländische FRACHTENSEGLER »MS Reudnitz« (Baujahr 1890) an der nördlichen Bernsteinpromenade; die Halbinsel Pouch mit der Produktionsfirma der zu ›Täterä-Zeiten‹ begehrten POUCHER FALTBOOTE (PFB). Fahr‘ mal hin − jetzt erst recht: