EXIL

Mit der Ausstellung »Von hier aus − Fasanenstraße und Exil« beginnt das Exilmuseum, sich mit dem Haus, der Straße und dem Viertel auseinanderzusetzen, in dem es entsteht. Das Exilmuseum sammelt Lebensgeschichten und Gegenstände von den bekannten Persönlichkeiten sowie den berühmten Kulturschaffenden, die einst dort lebten, bis sie von den Völkischen verfolgt ins Exil fliehen mussten (bis 31.01.2027). Die Charlottenburger Fasanenstraße war und ist eine der schönen Straßen Berlins. Viele unversehrt gebliebene oder aufwändig restaurierte Gründerzeithäuser säumen diese edle Kunst- und Galeriemeile. Linden, Platanen und Eichen stehen entlang der knapp zwei Kilometer langen Fasanenstraße. 

Die Liste berühmter Exilanten, deren Leben eng mit der Fasanenstraße verbunden sind, ist lang. Paul Hindemith (1895–1963), Robert Musil (1880–1942) lebte mit seiner Frau Martha in der ›Pension Stern‹ an der Ecke Fasanenstraße/ Kurfürstendamm, Heinrich Mann (1871–1950) im Haus mit der Nummer 61. Auch Unternehmer hatten in den Jahren vor der Nazi-Diktatur hier ihr Zuhause gefunden.

Darunter war das Ehepaar Julius und Dora Klausner. Sie betrieben die Schuhgeschäfte LEISER. Die Nazis verfolgten die Witwe und die Kinder, weil sie jüdischen Glaubens waren. 1934 floh Paula mit ihrer Tochter Beatrice nach Paris, Sohn Georg Paul ging ins Exil in die Niederlande, Tochter Marie Luise gelang 1939 die Flucht nach England. Unter deutscher Besatzung wurde Georg Paul deportiert und überlebte mehrere Konzentrationslager. Paula und Beatrice wurden von Paris nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die KEMPINSKIS führten bis 1936 drei große Restaurantbetriebe in Berlin: an der Leipziger Straße, am Kurfürstendamm und am Potsdamer Platz. 1937, nach der Olympiade, wurden die jüdischen Unternehmen entschädigungslos enteignet. Die Nazis legalisierten die wirtschaftliche Ausplünderung als sogenannte »Arisierung«. Die Familie Kempinski entkam nur zum Teil der Ermordung. Frieda Unger, die Tochter des Firmengründers, flüchtete mit ihrer Familie in die USA. Die Familie Hans Kempinski, ein Neffe des Patriarchen, entkam nach England. Walter Unger wurde in Auschwitz ermordet, ebenso die Mutter und der Bruder von Fritz Teppich

An die vielen Ermordeten erinnert eine lange Tafel mit knapp 300 Namen – alles Menschen, die allein an der Fasanenstraße wohnten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten sich wieder zahlreiche Diktaturen weltweit. Sie sorgten dafür, dass der Strom von Exilanten nie abriss. Noch gilt Deutschland als sicheres Land. Aber auch hier keimt Furcht auf. EXIL − es hört nie auf.

Die New Yorker Historikerin Atina Grossmann hat einen Serviettenring für die Ausstellung ans Museum verliehen. Ihr Vater hatte ihn 1903 in Berlin zu seinem ersten Geburtstag geschenkt bekommen. Mit der Gravur: »für den zukünftigen Professor«. Er war dann aber doch nicht Professor geworden. Ein Zeichen von einer hoffnungsvollen Zeit des aufsteigenden deutschen Berliner Judentums. Atina Grossmanns Vater hatte zunächst nach Teheran fliehen können. »Der Ring ist hier nur zu Besuch – ich repatriiere den Ring nicht. Er ist jetzt in New York zuhause und ich glaube, da gehört er ehrlich gesagt auch hin. Denn dorthin wurde er gerettet.« (Quelle: rbb24).
Dieser aufwändig geschnitzte Schrank war erst vor kurzem in einem Spandauer Trödelladen aufgetaucht. Früher Eigentum des Modeunternehmers Leo Kestel, der den Naziterror in London überlebt hatte. Geschnitzte Holzreliefs erzählen wichtige Stationen aus der Familiengeschichte. Am Fuß des Schrankes kann man lückenhaft einzelne Buchstaben erkennen. Man hat versucht, diese Schrift auszulöschen. Es handelt sich um einige Buchstaben. שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהוָה אֱלֹהֵינוּ יְהוָה אֶחָד − Schma jisrael, adonai eloheinu, adonai echad − »Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.« Das šma‘ yiśra’el gehört zu den wichtigsten Gebeten der Judenheit.

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