EVA MAMLOK


Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg würdigt die Kreuzbergerin EVA MAMLOK (1918−1944). Der Blücherplatz, benannt nach dem preußischen Husaren-General der Freiheitskriege, Gebhard Leberecht von Blücher, trägt jetzt ihren Namen (16.10.). Eine Gedenkstele für die junge Widerstandskämpferin steht jetzt vor der Zentral- und Landesbibliothek. Der Eva-Mamlok-Platz erinnert an den jüdischen und weiblichen Widerstand gegen die NS-Diktatur.

Nach ihrer Ermordung war Eva Mamlok lange in Vergessenheit geraten. Die Quellenlage zu ihrer Lebensgeschichte ist spärlich. Die biographischen Angaben fußen im Wesentlichen auf den Angaben Ihrer überlebenden Freundin, Arbeitskollegin und Mitkämpferin Inge Bremer. Aus dem Nachlass des emigrierten Pieter Siemsen stammt das einzige bekannte Foto; ihr Abschiedsbrief an ihn ist das einzige von ihr selbst überlieferte Dokument.

Eva Mamlok kam am 6. Mai 1918 in Berlin als Kind der jüdischen Kaufleute Albert Mamlok und Martha zur Welt. Sie war eine gebildete lebenslustige Frau, die gerne sang. Die 1933 verbotene »Dreigroschenoper« konnte sie auswendig singen.

Eva war früh politisch engagiert und aktiv. Sie war Mitglied in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und nach deren Zerschlagung im Juni 1933 aktiv im illegalen Widerstand. Laut der Zeitzeugin wurde sie als Jugendliche erstmals verhaftet, als sie auf das Dach des Warenhauses Tietz am Halleschen Tor geklettert war und von dort aus »Nieder mit Hitler!« an die Fassade gepinselt hatte. Das Dach war vom Hochbahnsteig am Halleschen Tor gut sichtbar. Das Kaufhaus wurde schon 1933 von den Machthabern »Arisiert« und zwangsweise umfirmiert von »Hermann Tietz OHG« zu Hertie (bis 1999, heute ein Möbeldiscounter).

Aktenkundig wurde Eva Mamlok dann, als sie 1934, zusammen mit anderen Blumen auf die Gräber von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am »Friedhof der Sozialisten« in Friedrichsfelde niederlegte. Wegen ihrer »staatfeindlichen Einstellung« internierte man daraufhin die 16-jährige im niedersächsischen Frauenkonzentrationslager Moringen. 

Nach ihrer Entlassung aus Moringen wirkte die ungebrochene Eva Mamlok weiter aktiv in Berliner Widerstandsgruppen mit.

Als Jüdin musste Eva Mamlok ab 1940 in der Rüstung Zwangsarbeit leisten. Im Betrieb lernte sie im April 1941 Inge Berner (damals noch Inge Gerson) kennen. Die mutigen Frauen um Eva Mamloks Widerstandsgruppe verliehen ›verbotene Literatur‹, schrieben Anti-Hitler-Slogans an Hauswände und verteilten Flugblätter.

Im September 1941 wurde Eva mit zwei weiteren Frauen der Gruppe – Inge Gerson und Inge Lewinson – wegen des Verleihs ›verbotener Bücher‹ denunziert und verhaftet. Nach Aussage von Inge Berner verurteilte man nach mehrmonatiger Haft alle drei wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode, ›schwächte‹ aber später die Strafen auf KZ-Haft ab. »Vernichtung durch Arbeit.«

Am 13. Januar 1942 wurde Eva Mamlok mit dem »8. Osttransport« gemeinsam mit Inge Berner nach Riga deportiert. Bis 1944 befand sie sich im Ghetto von Riga sowie in Arbeitskommandos nahe der lettischen Hauptstadt und dann ab 1943 im ›KZ Riga Kaiserwald. Auch dort leistete sie Widerstand. Sie war beteiligt, als eine Fotokamera für lokale Widerstandsgruppen organisiert wurde, um die NS-Verbrechen zu dokumentieren. 1944 wurde Eva Mamlok in das Konzentrations- und Vernichtungslager Stutthof bei Danzig gebracht. Dort verstarb Eva Mamlok am 23. Dezember 1944 mit nur 26 Jahren.

Peinlich: unterschiedliche Geburtsmonate.

((Foto ›Stolpersteine‹: trotz zweimaliger intensiver Suche konnte ich sie nicht auffinden. Ein Bild soll zeitnah folgen. Bitte später noch mal vorbeischauen)).

STOLPERSTEINE

An die ausgelöschte Familie erinnern am damaligen − später ausgebombten – Mehrfamilienhaus, in dem die Familie eine Dreizimmer-Wohnung bewohnte, Stolpersteine (Lindenstraße/ Neuenburger Straße 1, historisch #3; auf dem heutigen Areal zwischen dem IGM-Gewerkschaftshaus und dem Jüdischen Museum).

Der erkrankte Vater Albert war am 10. November 1936 im Alter von 58 Jahren im Jüdischen Krankenhaus verstorben. Die Mutter Martha, die ältere Schwester Hildegard (*1912) sowie die Tante Rosa Peiser wurden mit dem »21. Osttransport« am 19. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort nach der Ankunft am 22. Oktober 1942 ermordet (»Holocaust durch Kugeln«, zwei Millionen Juden fielen diesen Massakern zum Opfer). Tana Mamlok, Evas dreijährige Tochter (*03.09.1939), landete nach der Deportation der Großmutter allein im Jüdischen Waisenhaus an der Schönhauser Allee 162. Nach der erzwungenen Auflösung des Waisenhauses wurde Tana mit dem »23. Osttransport« vom 29. November 1942 in die ›Todesfabrik‹ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Unter den 998 Personen dieses Transports waren 75 Kinder im Alter von 10 Monaten bis 16 Jahren. In der für Tana vorliegenden ›Vermögenserklärung‹ wurde sie als »Waisenkind« mit unbekanntem Geburtsort bezeichnet. Eine deutsche Geschichte.

NOTABENE

Der völkische AfD-Ideologe und neue Landtagsvize in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, möchte den »deutschen Schuldkult« beendet sehen. In einer Rede 2023 in Schnellroda fiel der bezeichnende Satz »Unsere Vergangenheit soll uns keine Last mehr sein, sondern eine Lust.«

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