ROMADAY

Flagge zeigen und Feiern. Das war das Motto am ROMADAY. Latcho Dives. Der 8. April ist der internationale Tag der Rom*nja. Nicht nur in Berlin feierte die Rom*nja-Community ihren lang anhaltenden Kampf nach Sichtbarkeit und Gleichberechtigung: »Lass maro tschatschepen« (Romani/ Romanes, »Lasst uns unser Recht fordern«)!

Am 8. April 1971 trafen sich erstmals 23 Repräsentant:innen der Minderheit aus 14 Ländern Europas in Orpington bei London und gründeten den ›Welt-Roma-Kongress‹. Ziel war der Kampf um soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Diese erste internationale Vereinigung war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins. Die Idee einer transnationalen Nation drückte sich in
der eigenen Hymne, »Gelem, gelem« (deutsch »Ich ging, ich ging«, siehe unten), einer eigenen Flagge und der Einigung auf die Selbst-
bezeichnung ›Roma‹ aus. Seit 1971 wird der 8. April in vielen Ländern als ›Welt-Roma-Tag‹ begangen.

Die Rom*nja-Flagge. Die obere Hälfte ist blau, die untere grün. Das repräsentiert den Himmel und die Erde. In der Mitte der Flagge ist ein rotes Speichenrad zu sehen, das für die Wandertradition der Rom*nja steht.

An der Berliner Volksbühne heizten abends Mal Élevé und Mahala Raï Banda ein. Wahnsinn! Die begeisterten Konzert-
besucher:innen tanzten nicht nur ausgelassen in den Stuhlreihen. Einzelne kletterten auf die Bühne und pressten den Künstlern aus Anerkennung und Dankbarkeit Geldscheine auf die Stirn.

MAL ÉLEVÉ
Mal Élevé nimmt seinen Künstlernamen ernst: Seine Musik ist ›schlecht erzogen‹ – sie hält sich nicht an Regeln, stellt sich gegen die Norm. Mit dem offenen Umgang mit seiner Manouche-Identität inspiriert Mal Élevé insbesondere junge Roma und Sinti. Seine Songs – eine Mischung aus Reggae, Dancehall, Ska, Rap und Punk – sind eine Kampfansage gegen Faschismus, Kapitalismus und Sexismus und zugleich ein Aufruf zu weltweiter Solidarität. Manouche/ manush (Indisch/ Romani: ›Mensch‹) bezeichnet die Roma-Gruppe in Frankreich.

MAHALA RAÏ BANDA
Mahala Raï Banda ist eine Roma-Band aus Bukarest, die 2004 von dem rumänischen Geiger und Komponisten Aurel Ionita mitgegründet wurde. Die 11-köpfige Band präsentiert eine Fusion aus traditioneller Musik der Lăutari, der Roma-Violinisten und Cembalisten aus dem Süden Rumäniens, und aus der Blechblasmusik der Roma aus dem Osten Rumäniens.

Das Wort mahala bedeutet im Rumänischen Ghetto, Slum. Raï ist ein Wort arabischen Ursprungs. Dieser Begriff bezeichnet jemanden oder einen Sachverhalt, dessen Know-how bzw. Autorität von allen anerkannt wird. Es bezieht sich auf die Gruppe der Roma-Musiker (Lăutari). Aurel Ionita stammt aus einer Familie von Lăutari aus dem Dorf Clejani. Er ist mit mehreren Mitgliedern der Musikgruppe ›Taraf de Haïdouks‹ verwandt.

Gelem, gelem, lungone dromensa
Maladilem bakhtale Romensa
A Romale, katar tumen aven,
E tsarentsa bahtale dromensa?

A Romale, A Chavale

Sas vi man yekh bari familiya,
Mudardas la e Kali Legiya
Aven mansa sa lumnyake Roma,
Kai putardile e Romane droma
Ake vriama, usti Rom akana,
Amen khutasa misto kai kerasa

A Romale, A Chavale

Ich ging, Ich ging
Auf meinem sehr sehr langen Weg
Traf ich viele schöne Roma
Auf diesem sehr sehr langen Weg
Begegneten mir viele glückliche Roma?

Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

Ich hatte einmal eine große Familie
Die Schwarze Legion [Crna Legija der Ustaše Militia, 1942] ermordete sie
Kommt mit mir Roma aus der ganzen Welt
Für die Roma die Straßen geöffnet haben
Jetzt ist die Zeit, steht auf Roma, jetzt
Wir steigen hoch, wenn wir handeln.

Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

[…, insgesamt vier Strophen]

Von den erfassten rund 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden bis Spätsommer 1944 mehr als 25.000
von Deutschen Reichsbürgern ermordet. Insgesamt fielen geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn
der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer.

MITTEN IN EUROPA

Reise über das Osterwochenende nach FRANKFURT/ Main (30.03. & 02.04.), DARMSTADT (Basiscamp 1/ 28.–31.03.), an
die Hessische Bergstraße (29.03.), in die Kurpfalz (heute die europäische Metropolregion Rhein-Neckar) nach HEIDELBERG
(Basiscamp 2/ 31.03.–02.04.) und SCHWETZINGEN (01.04.).

Blick auf die nördliche Hessische Bergstraße. Rechts der Melibokus (517,5 Meter ü. NHN).
Bekannt ist die Bergsträßer Baumblüte.

Heimatliche Spezialitäten, immer ein Genuss: Frankfurter Grie Soß, Frankfurter Rindsworscht, Frankfurter Würstchen, Handkäs‘ und Kochkäs‘ mit Musik, Sparschel, Saumagen, Äppler und Mispelchen.

Hacke, Mische, Abschmegge. Gude!

Ein Pfund Schwetzinger Spargel mit Kräuterpfannekuchen.
Die Erdbeeren kommen (noch) vom Niederrhein.

Armut und Obdachlosigkeit sind inzwischen auch im ›reichen Süden‹ augenscheinlich angekommen.

Die Posts zu den besuchten Städten und Stätten (nach unten scrollen): UNTER DEN WOLKEN (Darmstadt), HEINERLINER (Verkehr), NACHTTIERHAUS (Frankfurt/ Main), DEUTSCHES PARADIES (Heidelberg) & GLÜCKSSCHWEIN (Schwetzingen). Fahr(t) mal hin!

UNTER DEN WOLKEN

In Darmstadt hatte ich ein sehr schönes Hotelzimmer im 11. OG, Blickrichtung nach Osten auf die ›Altstadt‹. Während meines Aufenthaltes gab es täglich abwechslungsreiche Wolkenhimmel. Am Gründonnerstag konnte man bis zum Taunus schauen. Es war bewölkt, aber trocken. Am Karfreitag regnete es ganztägig; am Ostersamstag herrschte ganztägig Hochnebel, verursacht durch Sahara-Staub.

HEINERLINER

Von Berlin nach Frankfurt und zurück fuhr ich mit dem Fernverkehr (DB-Sparpreise). Die Züge waren fast komplett ausgebucht.
Das habe ich zuvor noch nie erlebt. Beide ICE waren pünktlich! Ein Osterwunder? Ab und in Frankfurt nutzte ich für alle Strecken
das Deutschlandticket.

Warten auf die Tram. Die fährt aber bis zum 14.04. nicht über den Darmstädter Hauptbahnhof. Es verkehren Ersatzbusse.

Auf der der Überlandstrecke zwischen Arheiligen und Alsbach verkehrt die LINIE 8 mit neuen – jetzt GELBEN – Straßenbahnen der Baureihe ST (für Straßenbahn-Triebwagen) 15, Modelltyp TINA. Bei diesem Typ entfällt der Niederflur-Beiwagen. Seit dem 4. Quartal 2023 ist TINA im Regelbetrieb eingesetzt. Bis zum Sommer 2024 ist die Beschaffung der 25 neuen Straßenbahnen abgeschlossen. Außen hui, innen (Holzklasse), na ja.

Schienenersatzverkehr (SEV). Gut versteckt waren sie ja, die Hinweise zur Ab- und Weiterfahrt.
Da kam Ostervorfreude auf.

Über die Osterfeiertage war der Bahnverkehr zwischen Langen und Frankfurt/ Main Hauptbahnhof unterbrochen. Es fuhren keine Züge. SCHIENENERSATZVERKEHR (SEV). Keine Informationen an den Bahnhöfen. Die Fahrtdauer verlängerte sich um 45 MIN für die einfache Strecke. Auch ist bis zum 15.04. der U-Bahnverkehr in Frankfurt teilweise eingestellt. Kein schöner Zug.

Der Name HEINER war und ist ein Spitzname für die ›echten‹ Darmstädter, die »Heinerdeutsch« babbeln.
 

NACHTTIERHAUS

Der Frankfurter Zoo ist nach dem Zoologischen Garten Berlin der zweitälteste Zoo in Deutschland. Er wurde 1858 eröffnet. Zu Ruhm gelangte er unter der Leitung des ehemaligen Zoo-Direktors Bernhard Grzimek (1909–1987). Das nach ihm benannte Grzimek-Haus ist das NACHTTIERHAUS (Noctarium) des Frankfurter Zoos. Dort werden Tierarten gehalten, die vorwiegend nachtaktiv sind. Wie Springhasen, Löffelbilche, Schlankloris, Zwergplumploris, Eulenschwalme, und das Braunborsten-Gürteltier. Das 1978 eröffnete Grzimek-Haus zählt, zusammen mit der Einrichtung im »Bronx Zoo« in New York City, zu den größten Nachttierhäusern der Welt.

In der Ferienzeit und zudem am Ostersamstag herrschte natürlich großer Andrang. Familien mit Kleinkindern und Kinderwägen erschwerten das Durchkommen und Schauen.
 

Mainhatten hat 18 echte Wolkenkratzer mit beeindruckenden Höhen zu bieten. Die 12 höchsten Gebäude in Deutschland befinden sich in Frankfurt. Alle sind mehr als 150 Meter hoch und gelten daher als Wolkenkratzer. Fünf derWolkernkratzer besitzen eine eigene Postleitzahl. 
Denn in Frånkford da sind die Bankster! Ja, es war schon immer so. Die einen haben das Geld, die anderen wollen es. Und durch Arbeit ist noch nie jemand reich geworden.
Frankfurter Banksterviertel, eine Melange aus Banknoten und Kokain.

DEUTSCHES PARADIES

Die ›Welthauptstadt der Romantik‹ ist immer eine Reise wert. Am Ostersonntag schien ganztägig die Sonne; es war warm. Ab etwa 22:00 Uhr blitzte und donnerte es gewaltig, Temperatursturz.

Der »DIENSTMANN MUCK« (Dienstmann Nr. 73), mit bürgerlichem Namen Johannes Fries (1837–1905). Seine große Beliebtheit verdankte er seiner Originalität, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit, Schlagfertigkeit und Loyalität. Er wirkte am alten Hauptbahnhof, einem Kopfbahnhof. Die Skulptur des Dienstmanns Muck erhielt die Deutsche Bahn AG 2001 als Schenkung von dem Bildhauer Armin Guther.

Kolonialwaren. Zu lange gedankenlos. EdK ist die Abkürzung für: Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin. Es handelt sich um den Gründungsnamen der heutigen Edeka-Gruppe.

Klärwerk. Trennung von Bier, Wein und Wasser.
Solarboot.

GLÜCKSSCHWEIN

In SCHWETZINGEN treffen nicht nur Lebenslust und Gartenkunst, sondern auch musikalischer und kulinarischer Hochgenuss aufeinander. Herzstück bildet die ehemalige Sommerresidenz der Kurfürsten von der Pfalz mit ihrem prächtigen Schlossgarten. Diese berühmte Sehenswürdigkeit ist zugleich Wahrzeichen der Stadt. Nach dem Vorbild von Versailles entstand in Schwetzingen unter der Regie von Kurfürst CARL THEODOR (1724–1799) eine Parkanlage, die in Europa ihresgleichen sucht. In diesem Jahr würde Kurfürst Carl Theodor seinen 300. Geburtstag feiern. Er gilt als guter Regent, der 50 Jahre lang die Pfalz und Bayern regierte und sich aus allen Kriegen heraushielt. Unsterblich machten ihn seine Schlösser. Er war ein Musenfreund und großer Kunstmäzen im Geiste der Aufklärung.

Auf dem Schlossplatz steht seit 2016 die Skulptur GLÜCKSSCHWEIN von Peter Lenk. Sie zeigt den leichtbekleideten Kurfürsten
Carl Theodor mit einer Mätresse auf einer Sau reitend. Lenk bezieht sich auf ein Zitat des Preußenkönigs Friedrichs des Großen.
Der Legende nach soll Friedrich II. Carl Theodor »als einen faulen Kerl und Glücksschwein, das mehr Länder geerbt, als er selbst erobert« bezeichnet haben.

Goldfinger lässt grüßen.

Beim Hirschbassin geht der Barockgarten in den englischen Landschaftsgarten über. Die Rasenflächen wurden ursprünglich als Nutzgärten genutzt.

Sehenswürdigkeiten: nördliche und südliche Zirkelbauten, ARIONBRUNNEN, HIRSCHBASSIN, Laubengänge, Obstgarten, Moschee mit Türkischem Garten, Geschlängel mit Pan, Apollotempel mit Naturtheater, Orangerie. Das berühmte Rokokotheater kann in diesem Jahr nur zweimal besichtigt werden.

Auch das Schwetzinger Stadtgebiet verfügt über eine stattliche Zahl von Kunstwerken und Skulpturen unterschiedlicher Stiele: Pyramidenpappel (1997), Die Claques (2002), Trouble Makers (2008), Ohne Spargel ist alles Banane (2018).

Wer in Schwetzingen etwas über die Stadtgeschichte erfahren will, kann das ganz gemütlich angehen – von Bank zu Bank! Mittlerweile zieren 40 Motivbänke das Stadtbild und zeigen historische Hotspots der Brau-, Tabak- und Spargelstadt. Motivbank »Luftelektrizität«: Der Hofkaplan Johann Jacob Hemmer (1733–1790) widmete sich der Weiterentwicklung des von Franklin eingeführten Blitzableiters. Er entwickelte den so genannten HEMMERSCHEN FÜNFSTERN, der von Schwetzingen aus seinen Siegeszug durch den Kontinent antrat.

Wetter: am Ostermontag ganztägig Regen; aber ab 17:00 Uhr zeigte sich die Sonne.

FRANKFURT EINTRÄSCHTISCH

125 Jahre Eintracht Frankfurt (auch ›Spielgemeinschaft Eintracht‹, kurz SGE)! Das sind zahlreiche erfüllte und manch unerfüllte Träume, allerlei Tränen, Tore und Triumphe. Spieler der Erstliga-Fußballmannschaft von Eintracht Frankfurt wurden seit den 1920er-Jahren durch das Frankfurter Unternehmen J. & C. A. Schneider unterstützt, das insbesondere Hausschuhe produzierte. Schnell erhielten die Spieler den mundartlich frankfurterisch gefärbten Spitznamen »Schlappekicker«, bald pauschal alle Fußballer des Vereins. Schlappe stehen für Hausschuhe. Man nennt Eintracht Frankfurt auch gerne die »Diva vom Main«. Zum Ende der 1990er-Jahre waren die »Schlappekicker« ein abgehängter Traditionsclub, der im Mittelmaß zuhause war. Dann 2018 die Wende.
Die Eintracht gewann spektakulär den DFB-Pokal. Nach wahnwitzigen Europacup-Reisen 2022 schließlich den Europa-Pokal.

Aus 15 Gründervätern sind seit dem 8. März 1899 bis heute mehr als 140.000 Mitglieder geworden. Eintracht Frankfurt ist damit
der viertgrößte Fußball-Verein in Deutschland und belegt weltweit Rang 10. Eintracht Frankfurt ist 2024 mit knapp 14.000 aktiven Sportlern in mehr als 50 Sportarten der größte Mehrspartensportverein mit einer professionellen Fußballmannschaft weltweit. Eintracht Frankfurt zeigt klare Kante gegen rechts!

Mit ihrer Fußballabteilung war die Eintracht 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga. Sie gilt als einer der großen Traditionsvereine im deutschen Fußball und belegt nach bisher 54 Spielzeiten in der Bundesliga Platz 8 der »Ewigen Tabelle« (kicker, 2023). Zwischen 1996 und 2012 spielte die SGE bei vier Abstiegen und vier Aufstiegen insgesamt sechs Saisons in der 2. Bundesliga. Zu den größten Erfolgen des Vereins gehören die Deutsche Meisterschaft 1959 (gegen Kickers Offenbach!), fünf DFB-Pokalsiege (1974, 1975, 1981 – »Grabi und Holz, sind Frankfurts Stolz« –, 1988 und 2018) sowie der Gewinn des UEFA-Pokals 1980 und der UEFA Europa League 2022.

Das erste Frauenfußball-Pflichtspiel in der Geschichte der Eintracht fand am 11. September 2004 statt. Zur Saison 2020/ 21 fusionierte der Verein zum 1. Juli 2020 mit dem 1. FFC Frankfurt. Dabei wurden die erste und die zweite Mannschaft des 1. FFC in die Fußball AG der Eintracht integriert und treten seitdem unter dem Namen »Eintracht Frankfurt« an. Auch die Frauen sind im Profi-Fußball sehr erfolgreich.